Umwelt

Was ist dran am Ölheizungsverbot?

 

(Stand Juli 2020)

 

Mit einer Ölheizung setzen Hausbesitzer auf ein bewährtes Heizsystem für viele Generationen. In aktuellen Medienberichten ist dennoch zunehmend von Verboten für Ölheizungen die Rede.

In der Klima- und Energiestrategie des Bundes wurden erstmals Fristen für den Ausstieg aus dem fossilen Heizöl festgelegt:

  • Verbot des Einbaus von flüssig-fossilen Heizsystemen im Neubau ab spätestens 2020 (Baurecht).
  • „erneuerbaren Gebot”: Beim Ersatz bestehender Ölkessel sollen erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen.
  • Sozial verträglicher Ausstieg aus dem fossilen Ölheizungsbestand ab spätestens 2025, beginnend mit Kesseln, die älter als 25 Jahre sind.

 

Im Integrierten nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich, der der Europäischen Kommission übermittelt wurde, wurden für die Periode 2021-2030 folgende Zielwerte und Maßnahmen festgelegt:

  • Sektor Gebäude: Reduzierung der Treibhausgase um 3 Mio.t. CO2-e gegenüber 2016
  • Bis 2030 Halbierung der 700 000 Ölheizungen durch Ersatz innovativer Energiesysteme auf Basis erneuerbarer Energie bzw. durch effiziente Fernwärme
  • Ab 2021 „Erneuerbaren Gebot“: Austausch nur noch auf Heizsysteme auf Basis hocheffizienter alternativer Energiesysteme. Nur in begründeten Ausnahmen soll ein Abweichen von diesem Gebot möglich sein.
  • Ab 2025 Umstieg von über 25 Jahre alten, bestehenden fossil-flüssig betriebenen Heizkesseln auf Erneuerbare Systeme oder Fernwärme
  • Bis 2040 Phase Out von fossilen Öl-Heizsystemen

 

Im aktuellem Regierungsprogramm 2020-2024 „Aus Verantwortung für Österreich“ wird das Verbot von flüssig-fossilen Heizsystemen diesen Zielen entsprechend festgelegt:

  • Verbot des Einbaus von fossilen Heizsystemen im Neubau ab 2020
  • Bei Austausch bestehender fossiler Heizsysteme sollen ab 2021 erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen.
  • Ausstieg aus dem fossilen Ölheizungsbestand ab 2025 mit Kesseln älter als 25 Jahren

 

Die in den genannten Strategien und Programmen festgelegten Ausstiegsfristen müssen erst von den Ländern in entsprechenden Gesetzen und Verordnungen umgesetzt werden. Inhalte und Fristen können daher zwischen den Bundesländern divergieren.

 

Aktuell wurden von Bund und Länder folgende Einschränkungen fossiler Brennstoffe bereits umgesetzt:

 

Wiener Bauordnung
Ab 21.3.2019: In Neubauten sowie bei Änderungen und Instandsetzungen von mindestens 25 vH der Oberfläche der Gebäudehülle von Gebäuden ist die Errichtung von Wärmebereitstellungs-anlagen für feste und flüssige fossile Energieträger nicht zulässig. In Neubauten ist die Errichtung von dezentralen Wärmebereitstellungsanlagen für gasförmige fossile Energieträger nicht zulässig.

Seit 21.3.2019 ist die Errichtung von Heizungsanlagen für flüssige fossile Energieträger im Neubau nicht mehr zulässig.
Bei einer umfassenden Renovierung von über 25% der Oberfläche der Gebäudehülle ist die Errichtung einer Heizungsanlagen für flüssige fossile Energieträger nicht mehr zulässig, eine bestehende Heizungsanlage muss aber nicht entfernt werden. Vom Verbot nicht erfasst ist jedenfalls eine bloße Sanierung oder Instandsetzung der bestehenden Heizungsanlage z.B.: der Tausch des Brenners einer Ölheizung, dies ist somit auch bei einer umfassenden Renovierung jederzeit durchführbar.

Ohne Sanierungsmaßnahmen bzw. einer Sanierung unter 25% der Gebäudeoberfläche ist ein Ölkesseltausch jedenfalls im Rahmen eines Sanierungskonzeptes möglich. In wie weit eine Alternativprüfung durchzuführen ist, ist mit dem Magistrat37 Bauamt abzuklären.

 

Niederösterreichische Bauordnung
Ab 1.1.2019: Die Aufstellung und der Einbau von Heizkesseln von Zentralheizungsanlagen für flüssige fossile oder für feste fossile Brennstoffe ist in nach dem 31. Dezember 2018 neu bewilligten Gebäuden verboten.

Für die Abänderung von Bauwerken (Umbauten) und für Zubauten zu bestehenden Gebäuden gilt diese Regelung jedoch nicht. Diese Bauwerke dürfen nach wie vor z.B. mit Öl-Heizkesseln beheizt werden. Ebenso ausgenommen vom Verbot sind der Kesseltausch und die Erweiterung eines bestehenden, genehmigten Heizkessels in bestehenden, umgebauten oder vergrößerten Gebäuden.
Neue Gebäude, die an eine Heizungsanlage mit Heizkessel angeschlossen werden, welche sich bereits in einem bestehenden (benachbarten) Gebäude befindet, sind von diesem Verbot nicht betroffen, selbst dann nicht, wenn damit eine Neudimensionierung des Heizkessels verbunden ist.

 

Burgenländisches Heizungs- und Klimaanlagengesetz
Ab 1.1.2020: Die Aufstellung und der Einbau von Heizkesseln von Zentralheizgeräten für flüssige fossile oder fossile feste Brennstoffe ist in nach dem 31. 12. 2019 neu bewilligten Gebäuden verboten.
In Burgenland ist ab 1.1.2020 im Neubau die Aufstellung und der Einbau von Heizungen mit flüssigem fossilen Brennstoffen verboten.
Für Um- und Zubauten gilt das unter NÖ gesagte.

 

OÖ Luftreinhalte- und Energietechnikgesetz
Ab 1.9.2019: Die Errichtung von Feuerstätten für flüssige fossile und/oder für feste fossile Brennstoffe ist in Neubauten verboten, für die der Antrag auf Bewilligung des Bauvorhabens bzw. die Anzeige des Bauvorhabens nach dem 31. August 2019 bei der Behörde eingebracht wird. Dieses Verbot gilt nicht für Raumheizgeräte.

Ab 1. September 2019 dürfen in Oberösterreich Feuerstätten für flüssige fossile und/oder feste fossile Brennstoffe im Neubau nicht mehr errichtet werden. Vom Verbot ausgenommen sind Um- und Zubauten von bestehenden Gebäuden sowie der Tausch von bestehenden Feuerstätten.

 

Tiroler Gas-, Heizungs- und Klimaanlagenverordnung (Update 30.06.2020)

Mit 30.06.2020 ist die Änderung der Tiroler Gas-, Heizungs- und Klimaanlagenverordnung 2014 in Kraft getreten:

Die Erneuerung des alten Ölkessels durch ein modernes Öl-Brennwertgerät ohne gleichzeitige Sanierung des Hauses bleibt weiterhin gestattet.

Ein Verbot des Einsatzes von fossilem Heizöl liegt nur bei einer größeren Renovierung ab 2025 und bei einem Ölkessel älter als 10 Jahre vor. Anlagen, die bis 31.12.2020 in Betrieb genommen, werden unterliegen nicht der Verordnung. Wird die größere Renovierung bis zum 31.12.2024 beantragt und die betroffene Ölheizungsanlage ist nicht älter als zehn Jahre, ist es ebenfalls möglich weiterhin seine Anlage mit fossilem Heizöl zu betreiben (siehe Abs. 8 der Tiroler Gas-, Heizungs- und Klimaanlagenverordnung).

Eine größere Renovierung liegt dann vor, wenn mehr als 25% der Gebäudehülle saniert werden und die Kosten von die Sanierung 25% des Gebäudewertes übersteigen. Wenn weniger als 25% der Gebäudehülle saniert werden und die Kosten weniger als 25% des Gebäudewertes sind, liegt keine größere Renovierung vor und fossiler flüssiger Brennstoff kann weiterhin zeitlich unbeschränkt verwendet werden.

 

Bundes-Ölkesseleinbauverbotsgesetz des Bundes

Ab 1.1.2020: Die Aufstellung und der Einbau von Heizkesseln von Zentralheizungsanlagen für flüssige fossile oder für feste fossile Brennstoffe in neu errichteten Gebäuden sind unzulässig. Dies ist in den Verfahren, die derartige Anlagen zum Gegenstand haben umzusetzen.

Zu den Ölheizungsbeschränkungen in Österreich sowie zu den Klima- und Energiestrategien Bund-Länder

Flüssig bleiben – nachhaltig werden!

 

Der Betrieb einer Heizanlage mit alternativen, flüssigen Brennstoffen ist jederzeit gestattet – im Bestand und im Neubau.

Auch in Zukunft werden flüssige Brennstoffe eine große Rolle in der Energieversorgung spielen. „Die gesamte Branche bekennt sich zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens und zu der in der österreichischen Klima- und Energiestrategie #mission2030 vorgesehenen Forcierung von Energieeffizienz“, sagt Martin Reichard, Geschäftsführer vom Institut für Wärme und Öltechnik (IWO). Um Heizungen zukunftsfit zu machen, wird intensiv an der Herstellung von technologieneutralen, alternativen und klimafreundlichen Flüssig-Brennstoffen geforscht.

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